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Temporäre Denkmäler

Temporäre Denkmäler

Dekoloniale und anti-rassistische Interventionen im öffentlichen Raum

'Historisch gesehen, wurden [...] Plätze durch Denkmäler symbolisch in Besitz genommen. Neben dem Hinweis auf besondere Leistungen veranschaulichte sich damit auch der ideele Einflussbereich der jeweils Herrschenden.' schreiben Haus-Rucker-Co 1983 in ihrem Essay 'Markierung von Stadtfeldern'. Welche Konsequenzen diese Form von Deutungshoheit über den öffentlichen Raum hat, sollte dabei nicht erst durch den Umsturz der Edward Colston Statue 2020 in Bristol gezeigt haben. Nach der brutalen Tötung von George Floyd im Sommer 2020 hat die mediale Präsenz einer globalen Black Lives Matter Bewegung dazu geführt, dass Rassimus und Dekolonialismus nicht nur für das Schicksal Negativbetroffener von Relevanz wurde, sondern eine breitere Öffentlichkeit erreichte. Die Diskussionen und der Aktivismus für eine anti-rassistische Gesellschaft und dekoloniale Erinnerungskultur (im öffentlichen Raum) sind seitdem nicht neu erfunden worden, haben aber ein größeres Publikum - vor allem aus der weißen Mehrheitsgesellschaft - gefunden. Neben den politisch sehr heftig diskutierten, repräsentativen Beispielen wie z.B. dem Berliner Humboldt Forum stelle sich für mich als Künstler mit einem Fokus auf ortsspezifischen Interventionen im öffentlichen Raum die Frage, was die kritische Betrachung der Deutungshoheit von Denkmälern im weitesten Sinne für alltägliche Räume bedeutet. Fernab von repräsentativen Orten ohne fragwürdige und diskriminierende Formen der Selbstdarstellung inszenieren keine demokratischeren Symbole den öffentlichen Alltags-Raum, sondern die Zeichen der Werbung. Man sollte sich folglich im Kontext des zeitgenössischen Diskurs um eine demokratischere Erinnerungskultur fragen, welche Konsequenzen diese Auseinandersetzungen für Menschen in alltäglichen Räumen haben, die nicht unbedingt davon direkt betroffen sind oder denen dieser politisch, aktivistisch oder auch künstlerisch geführte Diskurs wenig bekannt ist. Darüber hinaus sollten die Räume und Zeichen der Werbung als zeitgenössische und omnipräsente Formen der Deutungshoheit im und über den öffentlichen Raum wieder neu hinterfragt und kritisch entgegnet werden. In Kollaboration mit Vertreter*innen der Coalition of Cultural Workers against the Humboldt Forum und Black Berlin Biennale (Michael und Adetoun Küppers-Adebisi), dem Projekt TALKING OBJECTS - Decolonizing Memory and Knowledge (Isabel Raabe) und barazani Berlin entstanden daher 4 Interventionen als 'temporäre Denkmäler' am Kottbusser Tor in Berlin, die die dekoloniale und anti-rassistische Arbeit der beteiligten Initiativen in einem alltäglichen Raum präsentierten. Das Projekt wurde im Rahmen der Kunst- und Diskursreihe 'Trauma - rechte Zukunft/deutsche Geschichte(n)' des Instituts für Widerstand im Postfordismus in der Vierten Welt realisiert und beinhaltete auch eine Diskursveranstaltung zum Thema Erinnerungskultur im öffentlichen Raum, zu der die oben genannten Vertreter*innen sowie Tahir Della der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Input-Vorträge hielten und diskutierten, welche Formen demokratischer Selbstdarstellung die Kunst noch bieten kann.

Vierte Welt/ Institut für Widerstand im Postfordismus. Berlin. 2022. In Kollaboration mit Isabel Raabe (TALKING OBJECTS - Decolonizing Memory and Knowledge), Michael und Adetoun Küppers-Adebisi (Coalition of Cultural Workers against the Humboldt Forum/ Black Berlin Biennale) und barazani Berlin - Forum Kolonialismus und Widerstand.

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